In zehn Minuten zur neuen Stelle: Job-Speed-Dating ist im Trend Von Tobias Schormann
Geschrieben von schueler am 17. März 2010 | Abgelegt unter Allgemein, Politik
Mainz (dpa) - Die deutsche Erziehungswissenschaft will die
Missbrauchsfällen in Schulen und Internaten aufgreifen. Dies
versicherte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für
Erziehungswissenschaft (DGfE), Rudolf Tippelt, am Sonntag in einem
Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Mainz.
«Notwendig sind Aufklärung und Konsequenzen, aber auch
Prävention», sagte der Münchner Erziehungswissenschaftler. «Das alles
muss auch Folgen haben für die Aus- und Fortbildung der Lehrer.»
Tippelt: «Pädagogen müssen zu ihren Schülern Vertrauen aufbauen und
Nähe herstellen können - gleichzeitig aber auch Distanz wahren.»
Die Fachgesellschaft, die alle deutschen Pädagogik-Professoren und
Hochschuldozenten vereint, startet an diesem Montag in Mainz ihren
dreitägigen Jahreskongress. Es ist die größte pädagogische Fachtagung
Deutschlands. «Als wir vor gut einem halben Jahr die
Schwerpunktthemen “Bildung in der Demokratie” und “soziale
Ungleichheit in der Bildung” festlegten, könnten wir nicht ahnen, in
welchem Umfang jetzt Missbrauchsfälle bekannt werden», sagte Tippelt.
Die extreme Häufung der jetzt gemeldeten Fälle habe die
Erziehungswissenschaft überrascht, räumte Tippelt ein. Die Pädagogik
sei nicht hinreichend vorbereitet gewesen. Wissenschaftlich sei das
Problem bislang vor allem in der Familienforschung aufgearbeitet
worden. Dort gebe es zahlreiche Arbeiten und Erkenntnisse über
körperlichen wie sexuellen Missbrauch von Kindern sowie auch über
Vernachlässigungen und Verwahrlosung.
«Es gibt Schätzungen, dass in Familien drei bis vier Prozent der
Jungen Opfer von Misshandlungen werden, sechs bis sieben Prozent der
Mädchen», sagte der DGfE-Präsident. Aber die Probleme in Schulen wie
in kirchlichen und privaten Internaten seien bisher wissenschaftlich
kaum aufgearbeitet - sehe man von wenigen Forschungsarbeiten ab.
Tippelt plädierte für die Einsetzung einer fachübergreifenden
Arbeitsgruppe, an der Schulpädagogen, Psychologen, Kinder- und
Jugendpsychiater, Sozialpädagogen mit Heim- und Internatserfahrung,
Theologen und Juristen beteiligt sein sollten. Diese Arbeitsgruppe
solle auch einen eigenen Fachkongress der DGfE vorbereiten, der sich
in einem halben Jahr gezielt mit dem Thema beschäftigen soll.
Dazu gehöre auch, dass sich die Theologie mit dem Thema Zölibat
auseinandersetzen müsse. Doch ein Schnellschuss mit eiligen Rezepten
helfe jetzt nicht. Tippelt betonte: «Wir müssen das Wissen
zusammentragen, uns intensiv damit auseinandersetzen, wenn Prävention
in den Schulen wirklich wirksam werden soll.»
«Rund 766 000 Lehrer in Deutschland machen gute Arbeit und gehen
verantwortungsbewusst mit ihren Schülern um», sagte der
Wissenschaftler. Er sieht dabei drei Arbeitsfelder, um durch
Prävention dem Missbruch von Einzelnen besser entgegen zu treten.
«Wir müssen das Selbstbewusstsein der Kinder stärken, damit sie sich
wehren und verweigern können und sich ihren Eltern anvertrauen, wenn
so etwas Verantwortungsloses geschieht.»
Die Aus- und Fortbildung der Lehrer müsse deren Beratungskompetenz
stärken, ebenso die Fähigkeit, bei der gewünschten Nähe zu den
Kindern zugleich Distanz zu wahren. Sinnvoll sei des weiteren die
Schaffung von Anlaufstellen an Schulen - ähnlich wie es sie heute
bereits in einigen Regionen bei Gewalt in der Familie gebe.
Keine Kommentare »