Selten genutzt: Weiterbildung während Kurzarbeit Von Sebastian Knoppik
Geschrieben von schueler am 17. Dezember 2009 | Abgelegt unter Allgemein
Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Kurzarbeit ist in vielen Betrieben
wegen der Wirtschaftskrise Alltag. Nach einem Beschluss der
Bundesregierung von Ende November können Unternehmen Kurzarbeitergeld
auch im kommenden Jahr noch in Anspruch nehmen.
Außerdem fördert die egierung Weiterbildungen während der Kurzarbeit. Davon machen
Unternehmen bisher allerdings nur zögerlich Gebrauch. Die Arbeitgeber
rechtfertigen das vor allem mit dem hohen Aufwand, der mit
kurzfristigen Qualifizierungen verbunden ist.
Die Deutschen bilden sich im internationalen Vergleich ohnehin
wenig weiter. Jeder absolviert während seiner Karriere laut einer
Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) im Schnitt 398 Weiterbildungsstunden. In
Frankreich (713), der Schweiz (723) oder Dänemark (943) sind es
deutlich mehr. Die Wirtschaft klagt andererseits über einen
Fachkräftemangel: «Deswegen appellieren wir an die Arbeitgeber, die
Zeit der Kurzarbeit für Qualifizierung zu nutzen», sagt Adriana
Galunic, Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.
Die Bundesregierung hat es den Unternehmen noch leichter gemacht,
ihre Mitarbeiter während der Kurzarbeit weiterzubilden: Die
verbesserten Förderungen wurden angesichts der drohenden Rezession
schon Ende 2008 beschlossen. Dabei gibt es nach Angaben der
Bundesagentur für Arbeit grundsätzlich zwei Fördermöglichkeiten: Eine
für gering Qualifizierte ohne Berufsabschluss sowie für Mitarbeiter,
die in einem Beruf tätig sind, für den sie keine Ausbildung haben,
und eine weitere für alle anderen Arbeitnehmer.
Für die gering Qualifizierten erstattet die Arbeitsagentur die
vollen Lehrgangskosten sowie einen Zuschuss zu Fahrt- und
Kinderbetreuungskosten. Für alle anderen werden 25 bis 80 Prozent der
Weiterbildungskosten bezahlt. Abhängig ist die Höhe dieses Zuschusses
von der Art der Qualifizierung, der Betriebsgröße und vom
Arbeitnehmer. Trotz dieser Fördermöglichkeiten wird das neue
Instrument zaghaft angenommen: Von Januar bis September haben nur 67
000 Menschen eine subventionierte Qualifizierung während der
Kurzarbeit absolviert. Darunter waren 16 300 gering Qualifizierte und
50 700 weitere Arbeitnehmer.
«Das ist gemessen an der Zahl der Kurzarbeiter verschwindend
gering», kritisiert Klaus Heimann, Bildungsexperte der Gewerkschaft
IG Metall in Frankfurt. Allerdings räumt der Gewerkschafter ein, dass
es für die Arbeitgeber nicht immer ganz leicht sei, die
Qualifizierung in der Kurzarbeit zu organisieren. «Für sie ist
Qualifizierung während der Kurzarbeit durchaus mit Hürden verbunden»,
bestätigt Torsten Petrak, Arbeitsmarkt-Experte der Bundesvereinigung
der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin. So sei
beispielsweise für kleinere Unternehmen die Förderung recht
unübersichtlich und kompliziert.
«Für Großunternehmen bedeutet es einen oft nicht leistbaren
organisatorischen Aufwand, für eine große Zahl von Mitarbeitern
kurzfristig geeignete und sinnvolle Weiterbildungsmaßnahmen
einzurichten», sagt Petrak. Das gelte umso mehr, wenn diese
gleichzeitig mit dem weiteren Betriebsablauf abzustimmen sind. Klaus
Heimann von der IG Metall hat zwar Verständnis für die Probleme
vieler Unternehmer mit der Organissation der Kurzarbeit. Diese sind
seiner Meinung nach aber oft hausgemacht. Unternehmen müssten in
Sachen Weiterbildung professionell aufgestellt sein: «Wenn man in der
Krise erst bei Null anfängt, dann wird es schwierig.»
Es gibt aber auch andere Hürden: So habe der Chef für die Zeit des
Arbeitsausfalls während der Kurzarbeit kein Weisungsrecht gegenüber
dem Mitarbeiter. Ein Arbeitnehmer könne die Qualifizierung daher
grundsätzlich ablehnen, sagt Petrak. Umgekehrt können Arbeitnehmer,
deren Unternehmen keine Fortbildungen anbieten und die auf eigene
Faust einen Kurs besuchen möchten, sich diesen nicht aus dem
Fördertopf der Arbeitsagentur bezahlen lassen. «Als Einzelperson habe
ich keinen Anspruch auf Förderung», erklärt Gewerkschafter Heimann.
Weil das Interesse an den Fördergeldern bislang so gering war, ist
der Topf noch reich gefüllt. Insgesamt stehen gut 166 Millionen Euro
zur Verfügung, die teilweise aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF)
stammen. Bis Ende September war nur ein sehr kleiner Teil davon
abgerufen worden: 21 Millionen gab die Bundesagentur für Arbeit
bislang für gering Qualifizierte aus, nur 11 Millionen waren es bei
den übrigen Beschäftigten. IG Metall-Bildungsexperte Klaus Heimann
appelliert an die Firmen, sich um die Fördergelder zu bemühen und
ihre Mitarbeiter durch eine Qualifizierung fit für die Zukunft zu
machen. «Das Thema ist auch im Jahr 2010 noch nicht durch.»
Informationen: Das Bundesarbeitsministerium hat eine
Telefon-Hotline zum Thema Kurzarbeit eingerichtet. Sie ist unter
01805/67 67 12 (14 Cent pro Minute) zu erreichen.
(www.einsatz-fuer-arbeit.de)
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