Physiker wegen Fälschungen weiter ohne Doktortitel
Geschrieben von schueler am 5. November 2009 | Abgelegt unter Allgemein
Konstanz (dpa) - Der Physiker Jan Hendrik Schön hat wegen massiver
Fälschungsvorwürfe weiterhin keinen Anspruch auf seinen Doktortitel.
Die Universität Konstanz, die ihm 2004 den Titel aberkannte, hat den
Widerspruch Schöns abgewiesen. Die Hochschule begründete dies am
Donnerstag nach fünfjähriger Prüfung mit seinem späterem «erheblichem
wissenschaftlichem Fehlverhalten». Der Physiker galt als brillant und
war einst international gefeiert worden, weil er in seiner Zeit bei
den amerikanischen Bell-Laboratorien von 1998 bis 2001 laufend
sensationelle Ergebnisse veröffentlicht hatte. Das Labor hatte ihm
jedoch 2002 in 16 Fällen Manipulationen von Daten nachgewiesen.
Schön hatte von 1988 bis 1993 in Konstanz studiert und 1998 mit
einer Arbeit über Solarzellen seinen Doktor gemacht. Der
Fachbereichsleiter Physik und Vorsitzende des Promotionsausschusses,
Prof. Wolfgang Dieterich, sprach seinerzeit vom «größten
Fälschungsskandal in der Physik der letzten 50 Jahre».
Bei seiner Konstanzer Dissertation habe er zwar nicht geschummelt,
hieß es in der Mitteilung der Universität ferner. Mit seinen späteren
Fälschungen habe er sich jedoch als «unwürdig zur Führung des
Doktorgrades erwiesen». Bei ihrer Entscheidung stützt sich die
Konstanzer Hochschule auf das baden-württembergische Hochschulgesetz,
das einen Titelentzug auch wegen späterer wissenschaftlicher
Verfehlungen zulässt. Der 1970 geborene ehemalige Einser-Doktorand
ist seit Bekanntwerden der Vorwürfe 2002 nicht mehr in der
Öffentlichkeit aufgetreten.
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