Spielend Geld verdienen: Nebenjob als Spieletester
Geschrieben von rosenthal am 27. November 2008 | Abgelegt unter Allgemein, dies & das
Potsdam (dpa/tmn) - Am Ende heißt es «test to destroy»: Die
Spieler drücken wilde Tastenkombinationen oder versuchen, aus der
Spielewelt auszubrechen. Kurz: Sie halten sich an keine Regel. Ziel
ist es, das Spiel zum Absturz zu bringen oder ein «Deadlock» zu
erreichen - eine Situation, in der es nicht weitergeht. So wird ein
neuer Titel für PCs und Konsolen kurz vor der Veröffentlichung auf
letzte Fehler geprüft. Diesen Job übernehmen Spieletester. Das sind
neben Festangestellten vor allem Studenten oder auch Schüler. Gute
Tester werden immer gesucht. Wer diesen Nebenjob anstrebt, braucht
neben der Lust am Spielen vor allem Ausdauer. Dafür hat er aber auch
gute Chancen, einen Fuß in die Spielebranche zu bekommen.
«Viele Leute haben völlig falsche Vorstellungen vom Testen», sagt
Michael Höhndorf von Quality Four in Potsdam. Die Firma hat sich auf
das Testen von Computer- und Konsolenspielen, die «Quality Assurance»
(QA), spezialisiert. «Es ist nicht so, dass man nur ein paar Stunden
vor sich hin daddelt.» Die Tester müssen die meiste Zeit nach genau
definierten Testplänen arbeiten und bestimmte Handlungsabläufe
überprüfen. Das kann bedeuten, in einem Spiel von Punkt A nach Punkt
B zu gehen und unterwegs vorgegebene Aufgaben zu lösen. Soll ein
Geldkreislauf geprüft werden, müssen Tester dagegen immer wieder
Waren kaufen und verkaufen und dabei die Werte im Blick haben.
Spieletester werden bei Entwicklern und bei Publishern gesucht.
Freie Stellen stehen auf den Internetseiten der Firmen. Die meisten
suchen Studenten. «Wir stellen auch Schüler ein», sagt Pan Schröder
vom Publisher dtp-entertainment in Hamburg, «die testen Kindertitel.»
Wer sich für den Job als Tester interessiert, sollte eine
Leidenschaft für Spiele mitbringen. Erfahrungen mit unterschiedlichen
Titeln sind hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich. «Wir
brauchen alle Arten von Testern», sagt Schröder. Wer wenig Kenntnisse
mitbringt, bemerke eher, wenn ein Spiel nicht selbsterklärend ist.
Laut Frank Fay sind allerdings Computerkenntnisse und Erfahrungen mit
Datenbanken nützlich: «Man sollte schon eine
Betriebssystem-Einstellung vornehmen können», sagt der QA-Leiter der
Firma Keyfactor in Eschborn (Hessen), die unter anderem Spiele für
Atari testet.
Da die Entwicklersprache Englisch ist, müssen Bewerber mindestens
Schulenglisch sprechen. Außerdem sollten sie sich schriftlich
ausdrücken können, schließlich müssen komplexe Handlungen auf dem
Bildschirm für die Fehlerdatenbank in Worte gefasst werden. Wichtig
ist ein gutes Vorstellungsvermögen. «Wenn man ein halbfertiges Spiel
testet, muss man sich vorstellen können, wie es einmal aussehen
wird», erklärt Fay. Begehrt sind ihm zufolge Fremdsprachentester, die
gut Italienisch, Spanisch oder Französisch sprechen.
In der Regel verlangen die Firmen einen Probearbeitstag. «Bei uns
müssen sie ein Testszenario durchlaufen. Wir schauen, ob ein Bewerber
die eingebauten Fehler findet und in Englisch und Deutsch posten
kann», sagt Höhndorf. Schlecht prüfen lässt sich für die Firmen
dagegen eine andere und vielleicht wichtigste Qualifikation: die
Ausdauer. Denn das Testen kann sehr öde sein. Trat ein Fehler in
einer bestimmten Situation auf, müssen die Tester diese immer wieder
spielen - manchmal 100 Mal - und prüfen, wie oft und vor allem wann
der Fehler sich wiederholt. Das ist wichtig für die Programmierer.
Die Tester prüfen auch den Schwierigkeitsgrad: «Man muss sich in
die Spieler reindenken und überlegen, wo es zu schwer oder zu einfach
wird», sagt Schröder. So wird die Spielschwierigkeit eingestellt.
Solche Testphasen können sich über Monate hinziehen. «Sacred II zum
Beispiel wurde über ein Jahr lang getestet», sagt Höhndorf.
In der Regel sind die Tester einem Spiel zugeordnet. Damit sie bei
den wiederkehrenden Spielszenarien nicht durchdrehen, werden sie aber
durchgewechselt. «Sonst wird man auf Dauer zu betriebsblind», sagt
Pan Schröder. Prinzipiell müssen Tester für jeden Titel offen sein.
Bewirbt sich jedoch ein begnadeter Adventure- oder
Jump’n'Run-Spieler, wird er nach Möglichkeit in diesem Bereich
eingesetzt.
Obwohl sich immer mehr Studiengänge mit der Spieleentwicklung
beschäftigen, kann auch der Testerjob ein Einstieg in die Branche
sein. «Gute Tester werden immer gesucht, vor allem welche, die dabei
bleiben», sagt Fay. Sie können vom freien zum festangestellten Tester
und weiter zum QA-Leiter oder zu einem Projektleiter aufsteigen - ein
Weg, den Michael Höhndorf von Quality Four genau so gegangen ist.
INFO-KASTEN: Tester ist kein normaler Acht-Stunden-Job
In der Masterphase eines Spiels - kurz vor der Veröffentlichung -
wird es bei Entwicklern und Publishern meistens hektisch. Dann
arbeiten die Firmen bis spät in die Nacht - und sind froh, wenn ihre
Tester das mitmachen. «Das ist kein normaler
Acht-Stunden-am-Tag-Job», sagt Michael Höhndorf von Quality Four.
Bezahlt werden Tester in der Regel nach Stunden, der Lohn liegt bei
sechs bis zehn Euro.
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