Feuertod in Zelle 5

Geschrieben von rosenthal am 28. März 2007 | Abgelegt unter Allgemein, dies & das

Mariama Djombo Jalloh ist eine kleine, zerbrechlich wirkende Frau.Noch bevor am Dienstagmorgen im Dessauer Landgericht der Prozess gegen zwei Polizeibeamte wegen des Todes ihres Sohnes begonnen hat, verlässt die aus Guinea angereiste Frau den Saal noch einmal.
Ihre Gefühle haben sie überwältigt. Am Morgen des 7. Januar 2005 hatte die Dessauer Polizei ihren Sohn, den 21 Jahre alten Oury Jalloh in Gewahrsam genommen, weil er in betrunkenem Zustand eine Frau belästigt haben soll. Da der Asylbewerber sehr aufgebracht war, sich heftig wehrte und seinen Kopf gegen eine Wand und einen Tisch schlug, fesselten ihn die Beamten an Händen und Füßen auf die Zellenpritsche. Das sollte der „Eigensicherung“ Jallohs dienen, wie es im Amtsdeutsch heißt. Kaum drei Stunden später war der junge Mann tot.

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass der betrunkene Jalloh mit einem Feuerzeug seine eigentlich schwer entzündliche Matratze selbst in Brand gesetzt hat. Zugleich ist sie aber davon überzeugt, dass der aus Sierra Leone stammende Asylbewerber noch leben könnte, wenn der Polizist Hans-Ulrich M. bei der Durchsuchung Jallohs nicht das Feuerzeug übersehen hätte. Deshalb ist der 44 Jahre alte Beamte wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen angeklagt.

Sein Vorgesetzter, der 46 Jahre alte Dienstgruppenleiter Andreas S., muss sich vor dem Dessauer Landgericht wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen verantworten. Ihm werfen die Ermittler vor, nicht schnell genug eingegriffen zu haben. Vielmehr habe S. das Alarmsignal des Rauchmelders einmal ausgeschaltet und die Gegensprechanlage zur Zelle 5 leiser gestellt, statt sich sogleich auf den Weg in den Keller zu Jalloh zu machen.

„Hätte S. pflichtgemäß gehandelt, hätte er in deutlich weniger als zwei Minuten an der Zelle sein können, hätte die Türe öffnen und den Brand löschen können“, trägt der Staatsanwalt vor. Stattdessen habe der Dienstgruppenleiter den Rauchmelder ein weiteres Mal ausgeschaltet und dann noch auf einen telefonierenden Kollegen gewartet, der ihn begleiten sollte. Spätestens sechs Minuten nach Ausbruch des Brandes sei der Asylbewerber an einem Hitzeschock gestorben.

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Quelle: http://www.faz.net/s/RubA24ECD630CAE40E483841DB7D16F4211/Tpl~Ecommon~Sressort.html

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