Michael Schumacher: Karriereende ohne Tränen

Geschrieben von rosenthal am 30. Oktober 2006 | Abgelegt unter Allgemein, Sport

Nach dem grandiosen Schlussakt auf der Rennstrecke gab Michael Schumacher auf der Party noch einmal Vollgas. Bei reichlich Caipirinha konnte der Formel-1- Rekordsammler sein Pech im 250. und zugleich letzten Rennen seiner einzigartigen Karriere schnell vergessen.

Bis zuletzt hatte der Ferrari-Pilot keinen Schimmer, dass ihm sein Team klammheimlich eine rauschende Abschiedsfete nach dem Großen Preis von Brasilien in Sao Paulo organisiert hatte. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit feierten die Ferrari-Familie und der Schumacher-Clan an einem geheim gehaltenen Ort bis tief in die Nacht.

Zwar hatte der 37-Jährige seine Karriere nicht mit dem achten WM- Titel krönen können. Doch gewann er Respekt, Bewunderung und Anerkennung. “Michael Schumacher steht in einer Reihe mit den anderen ganz Großen des deutschen Sports”, würdigte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Superstar. “Michael Schumacher hat seine Sportart, so glaube ich, durch einen Hauch Genialität bereichert. Danke an einen großen Sportler.” Franz Beckenbauer bedauerte in der “Bild”: “Unser größter Fahrer aller Zeiten hätte noch ein paar Jährchen vorne weg brausen können.”

Aus, Schluss, vorbei: Mit ein bisschen Wehmut, aber ohne Tränen, mit einer brillianten Abschiedsvorstellung, aber ohne das erhoffte Happyend hatte Schumacher sein Grand-Prix-Ära abgeschlossen. “Ich bin jetzt nicht traurig, sonst hätte ich diese Entscheidung nicht getroffen”, versicherte der Rekordchampion nach seiner letzten Runde locker und gelöst. Er wirkte fast schon erleichtert: “Es gibt keinen Formel-1-Fahrer wie Michael Schumacher mehr.”

Schumacher behauptete sich nicht nur 16 Jahre lang in der Körper und Geist aufs Höchste beanspruchenden Königsklasse des Motorsports, er dominierte zudem über einen langen Zeitraum wie kein anderer zuvor. Nicht von ungefähr sprach man sogar von der “Formel Schumi”. Jetzt will der PS-Pensionär nach der Erfüllung seiner letzten Pflichten erst einmal ausspannen und seinen “leeren Akku” wieder aufladen. Am Wochenende stehen die “Ferrari Days” in Monza an. “Danach wird es etwas ruhiger”, sagte Schumacher. Wenn er dann sein meist im rasenden Tempo vorbeigerauschtes Rennfahrerleben in Ruhe Revue passieren lässt, kann der Rheinländer realisieren, ob ihm die Formel 1 fehlt. “Derzeit vermisse ich nichts, ich habe doch gerade erst aufgehört”, sagte er.

“Es kann nur mein Ziel sein, auf diesem Niveau zu fahren, nicht auf einem anderen, und diese Kraft sehe ich nicht mehr. Ich stelle das in Frage, daher ist es besser, man hört auf, wenn man das Gefühl hat, dass es nicht mehr so gut werden könnte”, nannte Schumacher nochmals seine Beweggründe für seinen Rückzug. Auf die Frage, ob er etwas in seiner Karriere bedauere, verwies Schumacher auf Frank Sinatras Welthit “I did it my way”: “So habe ich es auch gemacht.” Er sei auch seinen Weg gegangen.

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(dk) 30.10.2006

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